Biberratte (Nutria)

© Timo Sack


Wissenschaftlicher Name: Myocastor coypus
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung:
Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Teilordnung: Meerschweinchenverwandte (Caviomorpha)
Familie:
Biberratten (Myocastoridae)
Art: Biberratte
Größe: bis 85-110 cm lang und 8-10 kg schwer

© Christian R. Linder

Merkmale:

Die Biberratte ist eine aus Südamerika stammende und in Mitteleuropa eingebürgerte Nagetierart. Sie wird gelegentlich mit der Bisamratte verwechselt, die aus Nordamerika stammt und sich ebenfalls in Europa als Neozoon etabliert hat. Die Bisamratte ist allerdings kleiner und hat einen seitlich abgeplatteten Schwanz.
Biberratten können über 10 Jahre alt werden. Ihr runder Körper ist behaart. Die Fellfarbe ist rötlichbraun, an der Bauchseite leicht gräulich. Sie kann bei Tieren, die aus Pelztierzuchten entflohene sind von hellgrau, dunkelgrau, schwarz bis braun, rötlich, gelblich oder fast weiß variieren. Der Schwanz, der kaum behaart und mit Schuppen bedeckt ist, kann eine Länge von bis zu 45 Zentimetern erreichen. An den Hinterfüßen haben Biberratten jeweils zwischen den ersten vier Zehen Schwimmhäute. Die Zahnformel ist dem Meerschweinchen ähnliche, verfügt also über jeweils einen zusätzlichen Prämolar neben den Molaren, ein charakteristisches Merkmal der Meerschweinartigen (Cavioidea). Die Nagezähne der erwachsenen Tiere sind orangefarben. 

Männliche Biberratten werden generell etwas größer als die Weibchen.

 

Vorkommen:

Die ursprüngliche Heimat der Biberratte ist das subtropische und gemäßigte Südamerika, vom südlichen Brasilien bis nach Feuerland, wo Sie im 19. Jahrhundert vom Aussterben bedroht war. Mittlerweile ist die Biberratte auch in Europa, Asien und Nordamerika zu Hause. Die Bestände in diesen Regionen haben sich durch Auswilderung und der Flucht zahlreicher Tiere in der Zeit des Zusammenbruchs des Pelzmarktes im 20. Jahrhundert vermehrt. Vereinzelt kommt die Art auch in Kenia (am Naivashasee), Japan (südlich der Stadt Okayama) und West-Australien vor.

In Deutschland ist sie in allen Bundesländern zu finden. Der Spreewald ist eine Region in Deutschland, mit einer größeren und beständigen Biberratten-Population. Eine wirklich starke Verbreitung findet in Deutschland trotzdem nicht statt, da das Klima in Mitteleuropa für diese Tiere nicht besonderes günstig ist. Manche Populationen erlöschen daher nach wenigen Jahren.
Meistens leben die Biberratten sehr standorttreu an Flüssen, Seen, Teichen und in Sümpfen und verteidigen engagiert ihr Revier. Sie sind auch in Parkanlagen oder auf Golfplätzen anzutreffen.

 

Lebensweise:

Biberratten sind sowohl tag- als auch nachtaktiv, insbesondere dämmerungsaktiv. Sie ernähren sich vorwiegend von Blättern, Stängeln, Wurzeln von Wasserpflanzen und Hackfrüchten und sind fast reine Vegetarier. Selten fressen sie Schnecken, Würmer und Süßwassermuscheln. Die Tiere leben monogam, entweder paarweise oder in Gemeinschaften von etwa 12 bis 15 Tieren, bestehend aus Eltern und deren Nachkommen. In Südamerika bilden sie sogar Kolonien.
Nach 19 Wochen Tragzeit bringt das Weibchen 6 bis 8 ziemlich entwickelte, sehende und voll behaarte Junge zur Welt. Diese sind nach 5 Monaten geschlechtsreif. Es sind zwei bis drei Würfe pro Jahr möglich.
Die Bauten sind selbst gegrabene Erdbaue im Uferbereich oder „Nester“, aus langblättrigen Pflanzen (Schilf) und dünneren Stöcken. Die Eingänge sind im Gegensatz zum Bisam und Biber oberhalb der Wasserlinie.

 

Nutzung:

Wegen ihrer dichten und äußerst feinen Unterwolle sind Nutriafelle sehr begehrt. Das nicht sehr attraktive Oberhaar wird meist gerupft oder geschoren und das Fell anschließend gebügelt. Heute gilt das Nutriafleisch dem Spanferkel gleich, sehr zart und wohlschmeckend. Vor dem Verzehr ist in Deutschland eine Trichinenschau wegen möglicher Trichinen-Infektionen Pflicht.

 

Schäden:

Gelegentlich wird von Schäden an Feldfrüchten in der Landwirtschaft und in Kleingärten berichtet. Die durch Grabungen in Uferbereichen verursachten Schäden sind in Deutschland gering und an renaturierten Gewässern unproblematisch. Wo Biberratten auftreten, werden Bisamratten zurückgedrängt. Grundsätzlich gibt es keinen Grund, um Biberratten zu bekämpfen.

›zurck zur Internetseite